Der Kinderbringer
               

„Storch, Storch, Du Guter, bring mir einen kleinen Bruder! Storch, Storch, Du Bester, bring mir ne kleine Schwester! Klapperstorch, Langbein, bring´ nen Bruder und ein Schwesterlein!“

            

Sangen früher die Kinder und legten, um den Storch zu locken, oft noch ein Stückchen Zucker auf´s Fensterbrett, in der festen Überzeugung, der Storch habe mit dem geheimnisvollen Rätsel der Menschenherkunft zu tun.

            

Das „Storchenmärchen“ scheint erst im 18 Jh. In Erscheinung getreten zu sein. Der Legende nach soll der Storch die Kinder aus einem Brunnen holen und anschließend  die Mutter ins Bein beißen, damit sie ins Bett muss, in welches        er dann das Kind legt.

 

Der Fuchs und der Storch  

 

Ein Fuchs hatte einen Storch zu Gaste gebeten, und setzte die leckersten Speisen vor, aber nur auf ganz flachen Schüsseln, aus denen der Storch mit seinem langen Schnabel nichts fressen konnte. Gierig fraß der Fuchs alles allein, obgleich er den Storch unaufhörlich bat, es sieh doch schmecken zu lassen.  

Der Storch fand sich betrogen, blieb aber heiter, lobte außerordentlich die Bewirtung und bat seinen Freund auf den andern Tag zu Gaste. Der Fuchs mochte wohl ahnen, dass der Storch sich rächen wollte, und wies die Einladung ab. Der Storch ließ aber nicht nach, ihn zu bitten, und der Fuchs willigte endlich ein.  

Als er nun anderen Tages zum Storche kam, fand er alle möglichen Leckerbissen aufgetischt, aber nur in langhalsigen Geschirren. "Folge meinem Beispiele", rief ihm der Storch zu, "tue, als wenn du zu Hause wärest." Und er schlürfte mit seinem Schnabel ebenfalls alles allein, während der Fuchs zu seinem größten Ärger nur das Äußere der Geschirre belecken konnte und nur das Riechen hatte.  

Hungrig stand er vom Tische auf und gestand zu, dass ihn der Storch für seinen Mutwillen hinlänglich gestraft habe.  

Was du nicht willst, dass man dir tu',  
Das füg' auch keinem anderen zu.   

 

von Äsop

 

Störche 

 

Ihr lieben Störche, was habt ihr im Sinn,
warum fliegt ihr alle zur Sonne hin?
St. Es wird so kalt und schaurig hier;
und friert; drum ziehen von dannen wir.
Fliegt hin denn mit eurem leichten Gefieder;
doch, Störche, das bitt ich, kommt recht bald wieder.

Und wie sie waren fortgeflogen,
da kam der Winter hergezogen.
Das leere Nest auf dem Dache droben,
das streut er mit Federn voll bis oben.
Doch mocht es ein kaltes Lager sein,
da konnte sich wohl kein Storch dran freun.

 

von Johann Wilhelm Hey 

 

 

 

 

Eine Sage aus Gabow bei Bad Freienwalde

Der dankbare Storch

 

In früherer Zeit, so erzählt man sich in Gabow, stand  auf dem Scheunendach des Fischers Schulz ein Storchennest. Einst wollte  das Storchenpaar im Frühling wie gewöhnlich sein Nest beziehen. Doch da   zeigte sich ein anderer männlicher Storch, und es entbrannte ein heißer Kampf um das Weibchen. Der fremde Storch blieb Sieger. Sein Gegner   wurde fürchterlich zugerichtet, stürzte vom Scheunen- dach und brach sich ein Bein. Das Weibchen wollte aber durchaus nichts von dem fremden   Storch wissen, sondern blieb ihrem verunglückten Männchen treu, so dass der fremde Storch endlich das Weite suchte.

Die alte Schulzen nahm sich des Verwundeten an, verband ihm den Fuß   und heilte ihn, worauf der Storch eine große Zuneigung zu ihr an den Tag   egte. Als er vollständig wiederhergestellt war, sagte eines Tages die  Alte, die vor der Tür in der Sonne saß und Wolle spann, zu ihrem   Liebling, der ohne Furcht auf dem Hof umherlief, sein Futter aus der Hand seiner Retterin nahm und dann auf's Dach zu seinem Weibchen   zurückflog: "Kneppendräjer, ik hebbe di nu dien Been jeheelt, nu kannst du mi ut jennet Land, wo du nu balle hentreckst, ook för mine Möe wat   metbrengen." (Knabenbringer, ich habe dir nun dein Bein geheilt, nun   kannst du mir aus jenem Land, wo du nun bald hinziehst, auch für meine   Mühe etwas mitbringen.)

Das Storchenpaar zog bald darauf fort, und als es im nächsten Frühjahr wieder erschien, saß die Alte zufällig vor der Hintertür im   Sonnenschein. Siehe, da flog der Storch ganz dreist zu ihr vom Dach hernieder und ließ aus dem Schnabel eine goldene Münze in ihren Schoß   fallen. Auf der Münze stand eine seltsame Inschrift, die selbst der  Prediger in Freienwalde nicht lesen konnte. Lange wurde das Goldstück in   der Familie als Andenken aufbewahrt, kam dann in das Schulzenamt und   von hier an den Amtmann in Neuenhagen. Der Amtmann hatte nämlich die bei   einem Gelage erzählte Geschichte für ein Märchen gehalten und durch den  Augenschein eines Besseren belehrt werden müssen. Wo aber seitdem die  Goldmünze verblieben ist, das weiß niemand, da der Amtmann aus   Neuenhagen fortgezogen ist.

Aus: "Freienwalder Sagen und Geschichten-Büchlein. Sagen   gesammelt und bearbeitet von Dr. Konrad Gründler (verstorben)".   Herausgegeben vom Rat des Kreises Bad Freienwalde, Abteilung Kultur, Bad   Freienwalde 1979

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





































































 

 

 

 


Aktualisiert am: 28.08.2019



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